Happy happy oder warum überhaupt Indien

Das erste Rollenspiel, das das kleine Mädchen hingebungsvoll spielt ist Geburtstag-Feiern, „Happy happy“ und dabei muss ich immer wieder daran denken, wie alles anfing mit Indien, an meinem Geburtstag vor einigen Jahren.

Ausgerechnet an diesem Tag nämlich bekamen wir, völlig überraschend, einen Anruf. Indien. Ein Forschungsinstitut in Indien, eine Zusage für meinen Mann. Wir hatten nicht wirklich damit gerechnet, obwohl wir uns schon in den ersten Tagen unserer Liebesbeziehung im fremden Land sahen. Zunächst sah es allerdings eher so aus, als würden wir nach Zentralasien gehen und ich sah mich schon durch die kirgisische Steppe galoppieren.

Vorsicht, sagte mein Mann. Im Winter gibt’s da nicht viel mehr als Rote Bete, Kartoffeln und Kohl. Ach, sagte ich. Macht nichts. Solange es Rote Bete gibt…

Indien also. In einer indischen Megacity, dachten wir, würden wir ja fast alles kriegen, viel mehr auf jeden Fall als in der zentralasistischen Steppe. Little did I know…aber das ist eine andere Geschichte.

An diesem Tag im November jedenfalls fuhr plötzlich dieser große Wind durch den bisher recht still verlaufenen Tag. Ich hatte von meinem Mann Papaya zum Frühstück bekommen – die erste meines Lebens – und ahnte nicht, dass dies bald mein tägliches Frühstück werden sollte. Wir waren in Decken eingewickelt zum Schloss hinaufgegangen und wieder hinunter und nun, nach diesem Anruf, gingen wir Torte essen und heißen Kakao trinken in einem altmodischen Cafe mit Spitzendecken und Kännchen und besprachen uns und es gab nur eine Antwort: JA JA JA.

An diesem Abend musste ich in den Zug steigen und ich fuhr fort in dem Wissen, dass wir gehen würden, 5 Monate später nur würden wir nach Indien ziehen und alles zurücklassen, was bisher unser Leben war. Mein wichtigstes Projekt nahm ich mit, alles andere musste bleiben. Dafür würde ich das vielleicht größte Geschenk bekommen, dass man einem anderen Menschen heute machen kann: Zeit. Ungestörte Zeit.

Es ist ein großes Geschenk, so ja zu sagen und dies auch noch zu zweit. Es gibt nur wenige Momente im Leben, in denen das möglich ist, in denen das Leben in dieser Weise eine Tür öffnet. Wir gingen ohne Zögern hindurch, und ohne zu wissen, was uns erwarten würde. Ich wäre zu diesem Zeitpunkt fast überall hin gegangen. Dann eben Indien! Irgendwie spielte es keine Rolle. Weder mein Mann noch ich waren je in Indien gewesen.

Ich war bereit, ins Offene zu gehen und mich ganz dem Leben zu verschenken, der Lebensbewegung zu folgen, wohin auch immer sie mich führen würde. Es war so leicht!

Das Mädchen übrigens, hat vom Geburtstag-Feiern vor allem das Verschenken behalten. Den Arm voller kleiner Schätze singt sie aus vollem Halse Happy Happy Börsday und verteilt an alle Anwesenden Geschenke. Ich wünsche mir, dass sie diese Freude des Schenkens nie vergisst.

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