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Notizen aus dem Alltag

Ein Bäumchen mit Charakter.

Auf dem Platz gleich neben unserem Haus werden Weihnachtsbäume verkauft. Wir wollen auch einen haben. Das erste Weihnachten in Deutschland nach vier Jahren in Indien.

Vom Naturschutzgebiet am Belchen seien die Bäume, sagt der Weihnachtsbaum-Verkäufer. 

Belchen, sage ich in schwärmerischem Tonfall. Mein Lieblingsberg im Schwarzwald. 

Da habe gestern noch ein Hase drunter gesessen.

Okay, das ist jetzt ein Verkaufstrick sage ich, und zwinkere ihm zu. Bis zum Hasen hab ich’s Ihnen geglaubt. 

Wir lachen. 

Ich will einen Baum mit Charakter, sage ich. 

Wenn Sie wüssten, was hier heute schon los war, sagt der Weihnachtsbaumverkäufer. Was hier für ein Stress herrscht, weil es der schönste, tollste, gleichmäßigste, perfekteste Baum sein muss. 

Not my cup of tea, sage ich.

Ob der Baum in der Mitte stehen soll, fragt der Verkäufer. 

Na klar, sage ich, zum Drumrumtanzen. 

Mein Mann sieht mich entgeistert an. Ich dachte der kommt an die Wand. 

Wieder Gelächter. Ein Grüppchen von 5-6 Erwachsenen, ein Kind auf dem Fahrrad, mehrere Dutzend Nadelbäume um uns herum.  

Der Verkäufer zeigt mir Bäume mit 5 Spitzen, ausladenden Bäuchen, krummen Stämmen, Löchern im Gezweig. Ich finde alle haben was. 

Mein Mann sagt zum Verkäufer, er frage sich so langsam, nach welchen Kriterien ich ihn wohl ausgewählt habe. 

Wieso, sage ich, keine lichten Stellen zu finden. Ich wühle im dichten Schopf meines Mannes. 

Inzwischen sind andere Kunden dazugekommen. 

Unsere Tochter zieht Kreise auf dem Marktplatz mit ihrem Fahrrad. Mein Mann gibt auf und mir seinen Geldbeutel. Er geht zum radelnden Mädchen.

Ich wähle einen Baum, dem eine Seite quasi komplett fehlt. 

Perfekt für die Wand, sage ich. Das wird ihn friedlich stimmen, sage ich zu der Kundin neben mir. 

Ja, sagt sie, ein Harmoniebaum. 

Was kostet der, frage ich. 10 Euro? Das ist nicht ihr Ernst.

Der Baum tut mir leid. 

Ich bin froh, wenn der noch ein paar gute Tage hat, sagt der Verkäufer. Wenn Sie es sich anders überlegen – ich bin noch bis zum 24. da. Sie dürfen Ihn auch nochmal umtauschen. 

Dann rufe ich Mann und Tochter her. Was sagt ihr? Das Mädchen ist ganz grundsätzlich von Weihnachtsbäumen begeistert. Die Details kümmern sie nicht. Mein Mann ist glücklich, wenn wir glücklich sind.

Ich gebe dem Verkäufer 10 Euro, klemme mir den Baum unter den Arm und trage ihn nach Hause. Die fehlende Seite macht ihn sehr transportfreundlich.

Und: Er duftet. 

4 Antworten auf „Ein Bäumchen mit Charakter.“

Heute eine schöne Weihnachtsgeschichte vom Tannenbaum. Ich werde sie meinen Schülern vorlesen. Danke
Lg BettiLu aus Karlsruhe
Schöne Weihnachten Dir und deiner Familie

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