Ein Wochenende in Bildern / Indien 19.-20. Mai

Möchtest du den Mond sehen, frage ich das Mädchen. Es nickt und legt das Buch zur Seite, aus dem wir eben noch Lieder sangen über den Mond. Wir schlüpfen in die Sandalen und dann nach draußen, in die heiße Nacht. Es sind die heißesten Tage und Nächte des Jahres. Der Mond hängt schmal und hungrig zwischen den Bäumen. Es ist Ramadan und während nach Sonnenuntergang alle feiern und essen tut der Mond seinen Dienst.

Nun ist Sonntag Abend und das Wochenende liegt hinter uns. Wir haben es weitestgehend zu zweit verbracht, ich und das Mädchen, denn der Papa macht Feldforschung in Afrika. Wir machen unsere eigene Forschung hier: Mondforschung an diesem Wochenende, denn das Mädchen hat ihn gerade in diesen Tagen so richtig entdeckt. Abends gehen wir nach draußen und suchen den Mond und spazieren ein Stück mit ihm und gleiten so ganz langsam hinüber, das Mädchen in den Schlaf und ich in die Nacht.

Am Morgen ist der Mond verschwunden und der Baum blüht wieder leuchtend gelb. Es ist früh, ein früher Samstag Morgen, schon vor 6 hat das Mädchen mich geweckt und wir gehen hinaus, schnell, bevor die Hitze des Tages uns erwischt. Wir laufen und jagen unseren Schatten nach bis zur Kantine und wir haben Glück, denn es gibt Dosa zum Frühstück und Dosa mögen wir beide sehr gerne und Kokos-Chutney dazu, und für mich Masala Chai und für das Mädchen ein bisschen Milch.

Während draußen die Hitze brennt verbergen wir uns im Haus, wir ruhen so lange es irgend geht und dann staunt das Mädchen über die Pfauen auf dem Bild an der Wand und ich lächle und freue mich über ihr Staunen.

Am Abend kühlen wir unsere vor Hitze pochenden Körper im Pool und dann setzen wir uns aufs Fahrrad, denn an der internationalen Schule ist ein Fest mit Kunst und Musik. Am schönsten aber, findet das Mädchen: die Fische. Wir bleiben bis der Tag schon müde blinzelt und die Schaukeln auf dem Spielplatz erschöpft in den Seilen hängen. Und wieder: der Mond.

Der Sonntag ahmt den Samstag nach: eine frühe Runde und die heiße Tageszeit ein langes und tiefes Seufzen und am Abend ein ausführliches Bad im Pool mit kleinen Freunden. Nur kein Fest heute mit Kunst und Musik. Dafür aber ein bisschen Jasmin und Rosen in einer Schale Wasser, damit das Haus duftet, sollten wir nachts erwachen. Wir tun es nicht und die Nacht von Sonntag auf Montag ist eine wenigen, eine der ersten seit langer langer Zeit und vielleicht lächelt der Mond darüber leise und milde.

Mehr Wochenende in Bildern gibt es hier bei Susanne von geboren wachsen.

Ein Gedanke zu „Ein Wochenende in Bildern / Indien 19.-20. Mai“

  1. Kinder haben eine sehr besondere Beziehung zum Mond. Das habe ich auch bei M&M erlebt. Hole ich sie morgens zum Kindi ab, ist ihr erster Blick, wenn sie aus dem Haus kommen, zum Himmel. staunen, Freude, “der Mond”. Ein guter, stiller Begleiter.

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