Ein Wochenende in Bildern / Indien 2.-3. Juni

Ist das denn zu glauben? Es hat geregnet! Die halbe Nacht hat es geregnet und mit den Donnerschlägen ist die Hitze entzweigebrochen wie ein längst schon brüchiges Vogelei.

Wir sind wieder zu dritt und fahren erstmal eine Runde mit dem Fahrrad. Wenn wir so lange getrennt waren müssen wir uns erstmal wieder zurechtruckeln miteinander. Ach diese Dienstreisen! Es waren zu viele in den letzten Monaten. Aber zum Glück steht nun nur noch eine aus.

Auf den Feldern wird auch Samstags gearbeitet. Hier wird wahrscheinlich gerade Hirse von den Rispen oder Kolben gestreift. Was für Wolken am Himmel. Die Hitze ist vorbei. Der Sommer ist so gut wie erledigt! Einige Tage noch, dann wird der Monsun eintreffen und ihn vollends schachmatt schlagen und jeden Tag überschlagen sich die Zeitungen mit Schätzungen, welcher Tag es denn nun genau sein wird.

Wir legen Matten und Kissen auf den Tapchan und frühstücken im Garten. Endlich wieder auf dem Tapchan herumlümmeln! Erst war er kaputt, dann die Nächte zu heiß, um draußen zu schlafen. Aber wenigsten einige Morgende können wir nun wieder hier verbringen, bis der Monsun richtig einsetzt.

Es regnet, als ich in die Stadt zum Zahnarzt fahre und wer hätte gedacht, dass Regen so herrlich sein kann. Sie arbeiten samstags, frage ich den Zahnarzt und er lacht. Das fragen mich heute alle, sagt er. Also alle Expats, die ich behandle. Und dann fragt er mich wie es meiner Tochter geht und ob ich heute Abend auf die Party von XY komme, die zurück nach Amerika gehen. Ich kenne XY nicht und sperre den Mund auf.

Zurück im Garten finde ich meinen Mann und meine Tochter vor, die die neue Bananenblüte bestaunen.

Was für Farben! Colors of India!

Sonntags wache ich auf vor allen anderen. Eine halbe Stunde, ganz für mich allein! Und stille Morgenstunden sind einfach etwas ganz besonderes.

Das Mädchen hat ein paar anderswo ausrangierte Puzzle bekommen. Dass hier und da ein Teilchen fehlt stört keinen großen Geist. Mein Herz lacht immer wenn Spielzeug weitergegeben und von vielen Kindern verwendet wird. Einer der großen Vorteile, hier in Indien zu sein ist, dass wir der Spielzeughölle des Viel-zu-viel-aber-das-muss-das-Kind-doch-auch-noch-haben entkommen. Viele Sachen gibt es hier gar nicht erst. Oder nur in trauriger Plastikqualität. So kommt es, dass unser Kind nur wenig Spielsachen hat.

Am Nachmittag ist Practica bei uns auf dem Campus und etwa ein Dutzend Leute kommen zum Tangotanzen. Bevor wir kamen, gab es keinen Tango in der Stadt, also haben wir selbst etwas initiiert. Tango in Indien ist eine spannende Angelegenheit. Die Puppe schaut zu. Das kleine Mädchen wird von einer anderen Tänzerin bespielt, so dass ich zumindest ein paar Tänze tanzen kann. Was war das noch einfach als wir mit ihr in der Trage zu dritt tanzen konnten! Und so schön! Aber auch jetzt ist es schön, denn der Tango ist ein Moment der Ruhe und Verbundenheit, Tanz und Alleinsein gleichzeitig und verrät immer soooo viel über das, was man oder frau gerade bewegt. Es sind kostbare Minuten Paarzeit, in denen wir nur mit uns selbst sind, miteinander und mit der Musik. Ist es genug, fragt mein Mann? Nein, sage ich. Wir tanzen noch ein Lied. Bevor der Sonntag mit Blitz und Donner zu Ende geht.

Mehr Wochenenden in Bildern gibt es bei Susanne von geborgen wachsen.

 

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