Der August in Indien, Deutschland und Frankreich riecht nach…

Schwer von Obst ist der Augustgeruch, wie ein wildes Parfum aus den Früchten dieser Welt. Schon ist er vorbei, der August, und er endet mit Feuerwerk in Avignon und Rauchschwaden, die der Mistral in alle Winde zerstreut.

In Indien riecht er nach kleinen runden Zitronen, die wie Tischtennisbälle durch den Garten hüpfen. Bis kleine klebrige Kinderhände die Früchtchen einsammeln und mir übergeben und ich reibe die Schale ab und presse den Saft aus ihnen heraus und Kuchen backe, Lemontarte, einmal und wenige Tage später noch einmal. Und vielleicht ist das der leckerste Kuchen den ich je buk.

Auch erste Spuren von Guavenduft ziehen leise durch die ersten Augusttage den Guaven soll man jetzt essen, heißt es, die haben jetzt Saison, jetzt, in der Regenzeit, in der es bei uns viel zu wenig regnet während Kerala überschwemmt wird.

Mitten im August steigen wir ins Flugzeug und mit uns der Geruch von Eucalyptuscreme und Mercurialissalbe und Retterspitz äußerlich und all diese Kräuterdüfte sollen den Flug erleichtern und verhindern, dass aus einem Milchstau eine Brustentzündung wird.

Und dann in Deutschland: Johannisbeer-, Himbeer-, Erdbeer-, Heidelbeerdüfte und beerenrote Münder und Hände und Lippen und ach wie Beeren schmecken, wenn man sie den ganzen Sommer schon entbehrt und ersehnt!

Am Bahnhof dann in Freiburg mischt sich in den milden Spätsommerwind, der nach Heu und Schwarzwaldheide duftet, Onkel Hermanns Rasierwasser. Onkel Hermann, weißt Du noch, dieser Pflaumenkuchen, den wir in Berlin aßen, frage ich noch auf dem Bahnsteig und Onkel Hermann sagt: Ja, wollen wir einen machen? 4kg Pflaumen entsteint Onkel Hermann am nächsten Tag und zwei Bleche Pflaumenkuchenduft erfüllen die Küche und meine Lungen und mein Herz noch Tage später.

Nach Umarmungen riecht der August und nach Wiedersehensfreude mit Freunden und Familie und nach glücklichem Kinderlachen und nach den winzigen Rauchzeichen zweier kleiner Kerzen, die mein Mädchen jetzt schon selbst ausblasen kann.

In den letzten Tagen, im Süden Frankreichs, mischt sich der süße Sommerduft mit einem Sprachgewirr europäischer Idiome und auch mit nachdenklichen Gedanken, denn Europa ist Heimat, aber Europa ist in Aufruhr und Verunsicherung und wir werden sehen, wohin das alles führt. Der Mistral jedenfalls zerstreut den Geruch des herrlichen Sommermonats und bald werden wieder Masala-Düfte meine Nase erfüllen.

Dieser Text ist eine Replik  auf die wunderbaren monatlichen Geruchsberichte von readonmydear und ihren August-Duft finden man und frau hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.